Hanglage

Eine wackelige Angelegenheit

Welches Problem auf dem Golfplatz nimmt der Durchschnittsspieler nicht ernst genug? - Hanglagen. Grund genug für Jonathan Taylor, dieses Thema in seiner neuen Serie für fortgeschrittene Golfer anzugreifen. Ohne bunte Holzpflöcke - wie Sie sie beispielsweise von Wasserhindernissen kennen - scheint der Golfer an sich problematische Situationen oder Lagen überhaupt nicht zu realisieren. Oder warum macht sich der Golfer an sich keinerlei Gedanken, wenn sein Ball an einem Hang zum Liegen kommt. Befindet sich der Ball einen halben Meter höher als die Füße stehen, greift der Golfer einfach zum Holz drei - was soll schon schief gehen? Die Tatsache, dass es relativ schwierig ist, im Schrägen stabil zu stehen und den Schläger dabei quasi auf Hüfthöhe zu schwingen, scheint den Golfer an sich nicht zu irritieren.



Das Resultat nach dem (meist missglückten) Schlag: Ein völlig überraschter, ungläubiger Blick. Doch lernt der Golfer an sich von seinem Fehler? Sehr selten. Denn der Golfer an sich nimmt an, dass der Fehler in seinem Schwung gelegen ist. Und nächstes Mal wird es schon besser laufen - schließlich hat der Golfer an sich das Grün von einer ähnlichen Stelle ja schon mal getroffen (einmal in zehn Jahren vielleicht!). Hanglagen zu verstehen und ihnen den nötigen Respekt zukommen zu lassen, ist der erste Schritt, diese schwierigen Schläge zu meistern. Übung ist der zweite.



Im Grunde gibt es vier verschiedene Hanglagen: Ball höher als der Stand, Ball tiefer als der Stand, bergab und bergauf. Eines haben alle vier Situationen gemein: Das Wichtigste ist zunächst, beim Schlagen das Gleichgewicht zu halten - was wahrscheinlich dazu führen wird, dass Sie entweder weniger weit ausholen oder langsamer schwingen müssen. Ein paar Übungsschwünge nahe Ihres Balles werden Ihnen helfen zu erkennen, wie weit Sie in dieser misslichen Lage ausholen können und wie schnell Sie schwingen können, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Um die Situation bestmöglich und mit ein wenig Übung schon bald souverän zu lösen, gibt es für jede einzelne Lage noch ein paar weitere Tipps, die Sie befolgen sollten:



Ball oberhalb der Füße

1. Wenn der Ball oberhalb Ihrer Füße liegt, müssen Sie den Schläger aufgrund der Hanglage so halten, dass der Winkel des Schaftes flacher ist, als wenn Sie im Ebenen schlagen würden. Das führt dazu, dass der Ball etwas in Richtung links vom Ziel starten wird (bei Rechtshändern), was durch seinen Spin sogar noch unterstützt wird. Je höher der Ball oberhalb der Füße liegt, desto mehr müssen Sie dies kompensieren, indem Sie Ihren Schläger, die Schultern und die Füße rechts vom Ziel ausrichten.
2. Die Hauptgefahr in Sachen Gleichgewicht ist, dass Sie beim Schwung dazu neigen werden, nach hinten zu fallen. Dies kompensieren Sie, indem Sie Ihr Gewicht weiter nach vorne in Richtung Hang verlagern.
3. Wenn Sie den Schläger kürzer als normal greifen, werden Sie sowohl den Schwung an sich als auch den Treffmoment besser kontrollieren können. Vergessen Sie aber nicht, dass das Kürzer-Greifen dazu führt, dass der Ball weniger weit fliegen wird.
4. Sie werden mit Ihrem Schläger den Boden etwas weiter hinten treffen als normal mit dem gewählten Schläger. Richten Sie sich also so aus, dass die Ballposition etwas weiter hinten ist.



Ball unterhalb der Füße

1. Genau das Gegenteil trifft bei einem Ball zu, der sich unterhalb Ihrer Füße befindet: Sie werden den Schläger steiler halten müssen als im Ebenen. Das führt wiederum dazu, dass der Ball nun nach rechts vom Ziel starten wird. Richten Sie das Schlägerblatt, Ihre Schultern und Füße also links vom Ziel aus.
2. Damit Sie nicht nach vorne fallen, müssen Sie Ihr Gewicht etwas nach hinten zu den Fersen hin verlagern. Tipp: Drehen Sie sowohl die Fußspitzen als auch die Knie leicht nach innen, um den Stand zusätzlich zu stabilisieren.
3. Greifen Sie den Schläger so lang wie möglich und stehen Sie etwas breiter.
4. Machen Sie einen Probeschwung, um das optimale Schwungtempo zu finden. Überprüfen Sie dabei auch, wo der Schläger den Boden berührt - hier sollte sich beim Schlag der Ball befinden (die Ballposition wird sich etwas weiter vorne befinden). "Sägen" Sie ein Bein ab. Um die Theorie der Bergab- und Bergauf-Schläge zu verstehen, stellen Sie sich vor, Sie würden einen Ball schlagen, während Sie in einem Stuhl sitzen. Je steiler nun der Hang bergauf oder bergab liegt, desto schwieriger wird es, den Ball sauber zu treffen, da Sie in dem Stuhl nach vorne oder nach hinten rutschen und im Extremfall sogar samt dem Stuhl umfallen. Wenn Sie allerdings zwei der Stuhlbeine absägen würden, sodass Sie waagrecht sitzen könnten, wäre das Schlagen des Balles kein all zu großes Problem mehr!



Bergauf

1. Ihre Beine und Hüfte haben beim Golfschwung dieselbe Aufgabe wie der eben vorgestellte Stuhl mit den abgesägten Beinen: Sie sollen Ihnen einen möglichst stabilen Stand ermöglichen. Versuchen Sie also, die Hüfte möglichst waagrecht zu halten.
Um das zu erreichen, wollen wir Ihnen keinesfalls das linke Bein absägen - stellen Sie es daher etwas weiter nach hinten und öffnen Sie so Ihren Stand. Beugen Sie das vordere Knie etwas mehr als das hintere, so dass die Hüfte im Endeffekt gerade ist. Vorsicht: Achten Sie darauf, dass der offene Stand keine Auswirkungen auf Ihre Schultern oder den Schläger hat - die sind in Richtung Ziel ausgerichtet.
2. Wenn Sie nun Ihren linken Fuß etwas zum Ziel hin drehen, wird es Ihnen leichter fallen, beim Schlagen das Gewicht zu verlagern und im Treffmoment durch den Ball zu gehen. Die richtige Gewichtsverlagerung auf das linke Bein ist in dieser Lage besonders wichtig!



3. Obwohl die Hüfte eine waagrechte Ausgangssituation für Ihren Schwung hergestellt hat, müssen Sie dennoch im selben Winkel schwingen, den der Hang hat. Das geht nur dann, wenn Sie Ihren Oberkörper so ausrichten, dass die Schultern in etwa parallel zum Boden sind.
4. Wieder wird Ihnen ein Probeschwung helfen, die richtige Schwunglänge, den optimalen Rhythmus und die entsprechende Ballposition (etwa in der Mitte zwischen Ihren Füßen) zu finden.
5. Abhängig von der Steilheit des Hanges werden Sie einen entsprechend längeren Schläger wählen müssen, da der Ball höher und kürzer fliegen wird.



Bergab

1. Nehmen Sie Ihren rechten Fuß etwas weiter nach hinten und beugen Sie das rechte Knie etwas mehr als das linke um eine waagerechte Hüftposition zu ermöglichen.
2. Drehen Sie die linke Fußspitze etwas nach rechts, um zu verhindern, dass Sie beim Schlag den Hang hinunterfallen.
3. Richten Sie Ihre Schultern parallel zum Hang aus.
4. Nutzen Sie einen Probeschwung, um die optimale Schwunglänge, den Rhythmus und die Ballposition (in etwa in der Mitte) herauszufinden. Im Extremfall werden Sie Ihr Gewicht während des gesamten Schlages auf dem linken Fuß belassen müssen, wobei der Ball etwas weiter vorne liegen sollte.



5. Abhängig von der Steilheit des Hanges werden Sie einen kürzeren Schläger für diesen Schlag benötigen, da der Ball flacher und weiter fliegen wird.
6. Tipp: In Extremfällen ist es sogar sinnvoll, quasi durch den Schlag "durchzugehen" (siehe Fotos), um mit dem Hang zu schwingen und den Ball nicht in die Luft zu lupfen. Für alle vier Schläge rate ich Ihnen, einen Pro zu Rate zu ziehen, der Ihnen genau zeigen kann, wie jeder einzelne Schlag funktioniert und der Sie vor allem kontrollieren und gegebenenfalls verbessern kann.
Beobachten Sie Ihren Pro exakt, wie er den Ball in den verschiedenen Hanglagen schlägt und speichern Sie diese Bilder vor Ihrem inneren Auge ab, inklusive Rhythmus und den folgenden Ballflug. Und dann: Gehen Sie auf den Platz und trainieren Sie selbst. Bekommen Sie ein Gefühl zu dem Bild in Ihrem Kopf.




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Kinästhetisches Training